Ein besonderer Vormittag auf der Apfelwiese
Ende September durften unsere Waldkinder einen ganz besonderen Vormittag auf der Apfelwiese von Beate Leichtlein verbringen. Zwischen alten Apfelbäumen drehte sich an diesem Tag alles um eine Frucht, die für die Kinder eigentlich ganz alltäglich ist – und an diesem Vormittag doch auf ganz neue Weise entdeckt werden konnte: den Apfel.
Ausgestattet mit Weiden- und Obstkörbchen machten sich die Kinder zunächst ans Sammeln und Pflücken. Es wurde gerüttelt, geschüttelt, aufgehoben und mit dem Apfelpflücker bis in die Äste gegriffen. Und natürlich wurde probiert. Denn schnell stellten die Kinder fest: Apfel ist nicht gleich Apfel. Die alten Apfelsorten unterschieden sich in Farbe, Form, Größe, Duft und Geschmack.



Vom Baum in die Flasche
An verschiedenen Stationen konnten die Kinder selbst erleben, wie aus den gesammelten Äpfeln frischer Apfelsaft entsteht. Zuerst wurden die Äpfel in einem großen Wasserbottich gewaschen, danach kontrolliert, teilweise zerkleinert und schlechte Früchte aussortiert. Anschließend kam echte Muskelkraft zum Einsatz: Unser Apfelschredder wird von Hand gekurbelt. Die entstandene Apfelmasse wanderte schließlich in die Presse – und auch hier hieß es kräftig anpacken.
Dann kam der wohl spannendste Moment: Langsam begann der erste frisch gepresste Apfelsaft zu fließen. Der naturbelassene Saft wurde direkt in die mitgebrachten sauberen Flaschen und Schraubgläser der Kinder abgefüllt. So konnten sie am Ende etwas mit nach Hause nehmen, dessen Entstehung sie vom Apfel am Baum bis zum fertigen Saft selbst begleitet und mitgestaltet hatten.






Äpfel mit allen Sinnen entdecken
Auch im Morgenkreis beschäftigten uns die Äpfel weiter. In einem Stoffbeutel versteckten sich vier Äpfel. Nur durch Tasten sollten die Kinder herausfinden, wie viele es sein könnten. Anschließend wurde gemeinsam gezählt, verglichen und natürlich nachgesehen.
Wir betrachteten die unterschiedlichen Äpfel genauer, schnitten sie auf und probierten sie. Und bevor jedes Kind einen Apfelschnitz bekommen konnte, stellte sich noch eine wichtige Frage: Wie viele Waldkinder sind wir heute eigentlich – und wie viele Stücke brauchen wir dann?
Genau solche Momente machen Lernen in der Natur für uns so wertvoll. Die Kinder erfahren Zusammenhänge nicht nur über Erklärungen, sondern mit ihrem ganzen Körper und allen Sinnen. Beim Pflücken werden Kraftdosierung, Gleichgewicht und Hand-Auge-Koordination gefordert. Beim Sortieren, Vergleichen und Zählen entstehen mathematische Grunderfahrungen. Unterschiedliche Oberflächen, Gerüche und Geschmäcker regen die Wahrnehmung an.
Vor allem aber erleben die Kinder Selbstwirksamkeit: Ihre Hände sammeln die Äpfel. Ihre Kraft bewegt die Kurbel und die Presse. Und am Ende fließt tatsächlich Saft in ihre Flasche.
Ein Vormittag voller Leben
Zwischen all dem geschäftigen Tun blieb natürlich auch Zeit für das freie Spiel. Es wurde der Hang hinuntergerollt, weitergesammelt, entdeckt – und vermutlich mehr als einmal überprüft, welcher Apfelbaum nun wirklich die leckersten Früchte trägt.
Auch das, was nach dem Pressen übrig blieb, gehörte zu unserem Apfeltag dazu. Der Apfeltrester durfte draußen zurückbleiben und den Wildtieren zugutekommen. So konnten die Kinder erleben, dass Natur nicht an unserer Flasche Apfelsaft endet, sondern vieles Teil eines Kreislaufs bleibt.
Am Ende lagen ein arbeitsreicher Vormittag, viele sinnliche Erfahrungen, müde Arme, volle Flaschen und vermutlich auch ziemlich volle Apfelbäuche hinter uns.
Ein herzliches Dankeschön gilt Beate Leichtlein, die uns ihre Apfelwiese für diesen besonderen Vormittag zur Verfügung gestellt hat.
Ebenso bedanken wir uns beim Bund Naturschutz in Remlingen, von dem wir – wie bereits in den vergangenen Jahren – die Apfelpresse und die benötigten Gerätschaften ausleihen durften. Ohne diese Unterstützung wäre ein solcher Tag in dieser Form nicht möglich.
Und vielleicht ist genau das eine der schönsten Seiten solcher Waldkindergartentage: Aus einem Apfel wird nicht nur Saft – sondern eine Erfahrung, die bleibt.